Videokinematographie des Schluckaktes
 

Der Schluckakt ist ein dynamischer Vorgang, welcher willkürlich eingeleitet wird und unter Mitwirkung von Hirnnerven unwillkürlich abläuft. Pro Tag schluckt man zwischen   580-2000 mal.

Am komplexen Schluckvorgang sind 26 Muskelgruppen, 5 Hirnnervenpaare (N.V, VII,  IX, X, XII) und 3 Zervikalnerven (C1 - C3) beteiligt. Die zentrale Steuerung erfolgt über Schluckzentren im Hirnstamm und höhere suprabulbäre und kortikale Zentren.

Röntgenologische Untersuchungsmethode der Wahl ist die Videokinematographie , ergänzt durch Endoskopie, Manometrie und pH-Metrie. Das Videogerät (25Bilder/sec.), gekoppelt mit einer Durchleuchtungseinheit, ermöglicht ein dynamisches Filmdokument normaler und pathologischer Schluckvorgänge zu erstellen. 

 

Der Patient schluckt Kontrastmittel unterschiedlicher Konsistenz ( dünn-, dickflüssig und breiig ), dieser Vorgang wird unter Durchleuchtung verfolgt und auf ein Videoband aufgezeichnet. Die Untersuchung wird im Stehen, Sitzen und Liegen durchgeführt.

Im Anschluß kann nun der befundende Radiologe den sehr schnell ablaufenden Schluckakt in Zeitlupe ansehen und dabei funktionelle Abläufe beurteilen, welche normalerweise für das menschliche Auge nicht zu sehen sind.

Standardindikationen

Dysphagie = alle subjektiven und objektiven Schwierigkeiten bei Aufnahme von Speisen/Getränken.                                                          

Aspiration = Sonderform der Dysphagie mit Übertritt von Nahrungsmittel/Mageninhalt oder Flüssigkeiten in die Luftröhre                                                                   

Globusgefühl = nahrungsunabhängige Mißempfindung im Hals

Nichtkardialer Brustschmerz

Zusammenfassung

Die Videokinematographie des Schluckaktes ist die diagnostische Methode der Wahl bei jenen Symptomen, welche eine Funktionsstörung oder morphologische Behinderung der oberen Speisewege erwarten lassen.

Funktionelle Störungen mehrerer Einheiten lassen sich häufig nach schweren Operationen , Traumen der Kopf/Hals - Region , nach Insulten , beim Morbus Parkinson und bei zahlreichen neurodegenerativen Krankheitsbildern feststellen.

Eine der häufigsten Störungen des oberen Gastrointestinal - Traktes stellt die refluxbedingte Motilitätsstörung mit oder ohne Vorliegen einer Hiatushernie dar. Hier dient die Videokinematographie als Ergänzungsmethode zur Manometrie. Ebenso können Motilitätsstörungen bei leichten Formen der Achalasie , bei zahlreichen Medikamenten , bei Diabetes , nach Eingriffen am Thorax und bei vielen neurologischen Erkrankungen diagnostiziert werden.

 

Paraösophageale Hernie
Zenker - Divertikel
Hiatushernie

Auch morphologische Veränderungen lassen sich trotz zentraler Bedeutung der Gastroskopie am besten videokinematographisch dokumentieren. Dazu gehören: Divertikel (Zenker-,Ösophagusdivertikel), membranartige Stenosen (z.B. Webs), der Schatzkiring am gastroösophagealen Sphinkter und Hernien .

Ein neues Indikationsgebiet stellen auch die funktionellen Veränderungen nach chirurgischer Behandlung der morbiden Adipositas mittels Gastric banding dar.

 

 

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